Nachrichten

Andri Snær Magnason erhält KAIROS Preis

23.2.2010


Andri SnærDer Autor Andri Snær Magnason nahm am 28. Februar in Hamburg den KAIROS Kulturpreis entgegen. „Es gibt eine bestimmte Gesetzmäßigkeit in der Welt der Kunst, die einen ehrwürdiger macht und die Aufmerksamkeit auf das lenkt, womit man sich befasst“ sagt Andri Snær. “Ich habe letztes Jahr im Oktober oder November erfahren, dass ich den Preis erhalte. Das Preisgeld kommt von der Alfred Toepfer Stiftung. Viele bekannte Künstler aus den verschiedensten Kunstzweigen haben diese Unterstützung und Auszeichnungen bekommen, so Harold Pinter und Pina Bausch, um nur einige zu nennen.“

-    Du erhältst den Preis für deine Leistungen im Projekt Draumalandið. Es war zuerst ein Buch, dann ein Dokumentarfilm und danach eine Vorlesungsreihe. Der Preis ist weit mehr als eine Anerkennungsurkunde. Du bekommst auch 75.000 Euro!

Ja, man kann sagen, dass die kleinen Dinge den Unterschied machen. Dieser Preis kam für mich als Künstler gerade zur rechten Zeit, nicht zu früh und nicht zu spät. Es tut Künstlern gut, solche Auszeichnungen zu erhalten, wenn sie darauf angewiesen sind. Der literarische Nobelpreis wird z.B. selten verliehen bevor ein Schriftsteller ein hohes Alter erreicht hat.

 -  Seitdem dein Gedichtband Bónusljóð vor längerer Zeit erschienen ist, hast du viele und sehr unterschiedliche Werke geschrieben. Wo befindest du dich gerade in deinem Leben als Schriftsteller?

Ist man nicht immer am Anfang? Nach zwei Gedichtbänden, einer Poesie-CD, zwei Sachbüchern, Kurzgeschichten, Kinderbüchern und einem Sciencefiction-Roman! Vielleicht hab ich meine Leser immer mit dem Wechsel von einem Genre in das andere betrogen. Ich habe niemals dem Anspruch, den die Leser und die Herausgeber stellen, entsprechen und in einer Kategorie bleiben können. Das ist beharrlicher künstlerischer Trotz. Der Verleger bat um ein weiteres Kinderbuch, aber stattdessen schrieb ich einen Sciencefiction-Roman, den selbst Erwachsene nicht verstanden haben! Vielleicht ist es an der Zeit, einen anderen Weg einzuschlagen. Momentan schreibe ich gemeinsam mit dem Regisseur Þorleifur Arni Arnarson an einem Theaterstück. Außerdem bin ich mit dem Kinderbuch etwas vorangekommen. Wenn alles gut geht, habe ich bereits den Anfang für einen Roman, der als Novellensammlung herauskommen könnte.

 - Draumalandið und die daraus entstandenen Arbeiten haben nichts mit Dichtung zu tun. War es eine schwere Entscheidung, sich in die politischen Tagesthemen einzumischen?

Der Kampf um die isländische Natur war einfach wichtiger als die Lyrik. Im Nachhinein ist es schwer zu sagen, was wir im Projekt Draumalandið waren. Waren wir Künstler oder Kämpfer? Es ist schwer, die Welt mit nur einem Buch zu verändern, obwohl ihm ein Dokumentarfilm und Vorlesungen folgten. Deshalb hatten wir uns entschlossen, ein Gesamt-Kunstwerk mit dem Namen Draumalandið zu schaffen. Man kann nichts erschaffen, wenn es nicht mit den eigenen Ansichten übereinstimmt. Genau deshalb erschien mir diese Arbeit wichtiger als z.B. eine Geschichte über den Liebeskummer eines Mannes in Reykjavík zu schreiben.

 - Stellt es für einen Künstler eine versteckte Gefahr dar, zu viele und zu unterschiedliche Dinge zu tun?

Das ist gut möglich. Es kann unglaubwürdig erscheinen, wenn man sich in zu viel einmischt. Aber als ich hörte, dass ich den Preis bekomme, dachte ich mir: Verdammt noch mal, ich mache genau das Richtige! Der KAIROS Preis wird eben eher für eine bestimmte Arbeit als für ein spezielles Werk vergeben. Somit war die Vielschichtigkeit in meiner Literatur nicht ganz abwegig.

Mehr über den Schriftsteller Andri Snær Magnason können sie hier lesen.


This website is built with Eplica