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Bestseller des Jahres?
Das bisher meistverkaufte Buch des Jahres in Island ist der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des isländischen Parlaments über die Vorgeschichte und die Ursachen der isländischen Bankenkrise im Jahr 2008.
Der Bericht besteht aus neun Bänden mit über 2000 Seiten, womit er fast den Umfang einer Gesamtausgabe aller Isländersagas erreicht, wie der Autor und Abgeordnete Þráinn Bertelsson bei einer Rede im isländischen Parlament bemerkte.
Das Erscheinen des Berichts, der ursprünglich am ersten November 2009 veröffentlicht werden sollte, musste zweimal verschoben werden. Schließlich wurde er – ungeduldig erwartet - am 12. April herausgegeben, und war auch dank zahlreicher Vorbestellungen und langer Warteschlangen in vielen Buchhandlungen bald ausverkauft.
Ein Verkäufer der Buchhandelskette Eymundsson bestätigte in einem Interview mit der Tageszeitung Morgunblaðið, dass das die Nachfrage nach dem Bericht größer war als die nach den Harry Potter-Bänden.
Der Schriftsteller Jón Kalman Stefánsson bemerkte im Interview mit Sagenhaftes Island, dass die „neueste Saga-Handschrift der Isländer“ nicht den ästhetischen Standards von Belletristik entspräche: „Es ist ein schreckliches Skript, obendrein schlecht gespielt. Die Beschreibung einiger Protagonisten... würde Dir in einem Roman niemand abnehmen.“
Der Untersuchungsbericht enthält viele surreal anmutende Beschreibungen des Zeitraums vor der Krise, u. a. Zitate aus der Email-Kommunikation zwischen den Bankern zeigen:
„Hallo Magnús, wir haben noch nicht über den Bonus vom letzten Jahr gesprochen.
Ich schlage 1 Million Euro vor. Was denkst du? Gr, Se.“
Die sofortige Antwort:
„Danke mehr als genug :-).“
Und die Beschreibung eines pessimistischen Bankers durch einen Minister:
„Er stopfte sich eine halbe Zimtschnecke in den Mund und sagte: Ich traue dem nicht, Ich traue dem nicht. Dann erschien diese Hand mit der goldenen Armbanduhr und zog ihn aus dem Raum.“
Eine kleine Gruppe von Isländern fordert zudem, den Bericht für den isländischen Literaturpreis zu nominieren. Der Schriftsteller Andri Snær Magnason äußerte diese Meinung in der Tageszeitung Fréttablaðið: „...ich glaube er ist schlicht und einfach Literatur ... Er ist zugleich wissenschaftlich, aber eigentlich für ein allgemeines Publikum geschrieben.“
Der Bericht markiert einen Wendepunkt in der Aufarbeitung der isländischen Wirtschaftskrise und seine Veröffentlichung ist global gesehen beispiellos und wird nicht nur deshalb in den nächsten Monaten der ungeschlagene Bestseller auf Island bleiben wird.
