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Ein Vorbote des Frühlings

14.5.2010

einarfalurdeutsch

„Nie zuvor hatten die Isländer die Möglichkeit, eine solche Kunst-Vielfalt zu genießen...“

Dieses Zitat – es stammt aus einer Eröffnungsrede des ersten Reykjavík Arts Festival im Jahre 1970 – ist bis heute gültig.

Dieses Jahr hielten Bürgermeisterin Hanna Birna Kristjánsdóttir und die künstlerische Leiterin Hrefna Haraldsdóttir die Eröffnungsreden im Reykjavík Art Museum und setzen den Ton für die kommenden Ereignisse.

Die Fenster des Museums waren geschmückt mit Fotos von Talking Heads Frontmann David Byrne:

„Mir haben immer diese Werbungen auf Bussen und Fenstern gefallen, bei denen man von innen nach außen schauen und die Menschen dort schemenhaft sehen kann, während die Menschen draußen ihrerseits nur die großen Werbungen sehen. Es ist, als wäre die ganze Welt eingewickelt in Bilder und Anzeigen, als wäre jede Oberfläche nicht nur sie selbst, sondern auch etwas anderes. Um mit diesem Phänomen zu spielen, habe ich vorgeschlagen, Fenster und Türen über Fenstern anzubringen. Eine naheliegende Idee; aber wenn ein Museum für Moderne Kunst sich als solches darstellt und zugleich als Kombination von Luxushotel, Werkhalle und gewöhnlichem Haus – wäre das wunderbar“, sagt Byrne über seine Ausstellung, die er „Inside Out“ betitelt hat.

Das diesjährige Festival stellt die Gattung der Fotografie in den Mittelpunkt. Die erste Ausstellung eröffnete im Nationalmuseum, dem seit Jahrzehnten wichtigsten Ausstellungsort in Island. Titel der dortigen Ausstellung ist „Sögustaðir“ (wörtlich: „Saga-Stätten“). Gezeigt werden Arbeiten des Fotografen Einar Falur Ingólfsson, die von den Aquarellen, Zeichnungen und Fotos des britischen Künstlers William Gershom Collingwood (1854-1932) inspiriert sind. Neben den Fotografien Ingólfssons zeigt die Ausstellung 300 Bilder Collingwoods, die dieser während seiner Aufenthalte in Island angefertigt hat.

„Als ich durch das Buch „Sögustaðir“ geblättert habe, das auf der Ausstellung basiert, überkam mich der Drang, selbst zu reisen,“ sagte Bildungsministerin Katrín Jakobsdóttir bei der Eröffnung. „Diese Ausstellung ist ein wunderbarer Dialog zwischen zwei Künstlern, deren Reisen durch Island einhundert Jahre auseinander liegen. Vieles hat sich geändert in dieser Zeit, aber das Land ist das gleiche und die beiden dokumentieren die Landschaft, die sie sehen, auf ihre eigene Weise.“

Höhepunkt der sich der Fotografie widmenden Aktionen des Festivals ist die Cindy Sherman-Ausstellung in der Isländischen Nationalgalerie, wo Shermans bekannteste Serie „Untitled Film Stills“ aus den Jahren1977 bis 1980 zu sehen ist.

Sherman begann ihre Laufbahn als Malerin, wechselte dann aber in den 1960ern aus Frustration über die Limitiertheit der Malerei zur Fotografie.

„Ich hatte pedantisch die Kunst anderer kopiert“, erklärt sie, „und dann entdeckte ich, dass ich stattdessen eine Kamera einsetzen und meine Zeit für die Entwicklung einer Idee nutzen konnte.“

Das Reykjavík Arts Festivals dauert noch bis zum 5. Juni 2010. Das Festivalprogramm findet sich unter artfest.is.


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