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Vulkanausbruch im Orchestergraben
Der isländische Komponist Jón Leifs war einer der bedeutendsten Musikschaffenden des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Kompositionen gehören unter anderem auch ein „Vulkanausbruch”. Er hätte am 1. Mai seinen 111. Geburtstag gefeiert.
Jón Leifs erhielt seine musikalische Ausbildung während des Zweiten Weltkrieges am Königlichen Konservatorium der Musik in Leipzig. Zeitlebens war es sein Ziel, seiner Musik einen speziell isländischen Charakter zu verleihen. Inspiriert wurde Leifs im Besonderen durch die mittelalterliche Literatur seiner Heimat. Die Themen und die Metrik der Eddagedichte und Rimur-Gesänge bildeten die Grundlage vieler seiner Stücke. In seinem auf deutsch verfassten Buch „Islands künstlerische Anregung: Bekenntnisse eines nordischen Musikers”, das 1951 veröffentlicht wurde, heißt es: „[Die mittelalterliche Dichtung] dürfte auch heute das einzige Geistesprodukt Islands darstellen, das unumstrittene Weltanerkennung genießt”.
Seine sogenannte Saga-Symphonie wurde 1950 in Helsinki erstmals aufgeführt.
Den von ihm ersehnten isländischen Charakter suchte er in den Naturbeschreibungen der Edda, in ihren Schilderungen von Bergen, dem Meer, Gletschern, schwarzer Lava. „Das berühmteste Edda-Gedicht Völuspá kann als Schilderung eines Vulkanausbruches betrachtet werden. Auch Sigurds Ritt durch das Feuer deutet auf Vulkanisches”, schreibt Jón Leifs in seinen „Bekenntnissen”.
Schließlich komponierte er Orchesterwerke über isländische Naturphänomene wie Geysir und Dettifoss und vertonte in seinem Stück Hekla einen Vulkanausbruch, den er 1947 selbst erlebt hatte. Bei dessen Uraufführung 1964 kamen im Orchestergraben höchst ungewöhnliche Instrumene zur Anwendung: 19 Schlagzeuger erzeugten mit Eisenketten, Ambossen, Steinen, Sirenen, Holzhämmern und sogar Kanonen ein musikalisches Äquivalent zur Eruption von Hekla.
Der Musikwissenschaftler und Leiter des isländischen Sinfonieorchesters Dr. Árni Heimir Ingólfsson veröffentlichte im Winter 2009 eine detaillierte Biografie über den Komponistin mit umfangreichem, bisher unveröffentlichtem Fotomaterial. Sie erschien im Verlag Mál og Menning. Mit dieser Biografie liegt erstmal ein Schlüssel zu Leben und Werk des zu seinen Lebzeiten umstrittenen Künstlers vor.
