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Nicht unter drei Weltuntergängen

Der isländische Kultzeichner Hugleikur Dagsson über seinen Stil, Schwarzen Humor und neue Projekte

14.4.2010

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„Soviel ich weiß ist  Finden Sie DAS etwa komisch? bisher das einzige Buch, das auf Deutsch vorliegt”, sagt Hugleikur Dagsson, Dichter und Komikautor. „Und es ist wesentlich lustiger auf Deutsch als auf Isländisch.”

Es mag sein, dass Finden Sie DAS etwa komisch?  Hugleikur Dagsson in Deutschland nicht den Durchbruch gebracht hat – das kann sich aber schnell ändern: mit seinem neuen Buch, in dem er in die Untiefen der Popkultur abtaucht, schwarzhumorige Zeichnungen zu Songs gemacht hat, die in Frankfurt, im Fáskrúðsfjörður oder in New York gleichermaßen bekannt sind.

Popular hits heißt der Nachfolger des Bandes Íslensk dægurlög  (Isländische Schlager). Er erscheint am 16. April in Island und in Finnland – denn auch dort findet sein Werk Nachhall in der Volksseele. Dazu Hugleikur in einem Interview mit der isländischen Zeitung Fréttablaðið: „Ich habe meine Bücher mindestens viermal in Finnland vorgestellt und bin nirgendwo anders beliebter. Im Grunde sind sich die Isländer und Finnen ziemlich ähnlich. Das hat vielleicht mit der Kälte und der Dunkelheit zu tun.”

Hugleikur hat sein erstes Buch Ende 2001 selbst herausgebracht. Seitdem wächst die Zahl seiner Publikationen unaufhörlich, zum Schrecken vieler Zartbesaiteter, die sich schon allein über die Titel seiner Bücher ärgern, ganz zu schweigen von den schroffen Texten und Zeichnungen, die gleichermaßen schonungslos wie erschreckend sind, und sich wahlweise hugleikuresk als „direkt auf die Eier“ oder, lyrischer, als „mitten ins Herz zielend“ beschreiben lassen.

Der internationale Durchbruch kam für Hugleikur 2006 mit der Veröffentlichung seiner Zeichnungen bei Penguin in Großbritannien. Der Verlag kündigte Should you be laughing at This mit folgendem Text an:

 

Hugleikur Dagsson ist aus Island.

Im Winter hat Island nur drei Stunden Tageslicht.

Im Sommer herrscht dagegen keine Dunkelheit.

Islands Nationalgetränk ist der “Schwarze Tod”.

In Island ist dieses Buch ein Kult-Bestseller.

 




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 Hugleikur dazu im Interview:

 

Was bedeutete der Vertrag mit Penguin für Dich?

„Plötzlich erschienen meine Bücher in aller Welt auf Englisch. Das bedeutet, dass ich vom Schreiben leben kann. Aber das hat keine Auswirkung auf meine Zeichnungen. Ich mache das gleiche, was ich auch ohne diesen Vertrag gemacht hätte.“

 

In allen Deinen Büchern gibt es diese Schlichtheit, alles wird direkt gesagt und die Zeichnungen vom ersten Buch an sehr reduziert.

„Das mag sein. Wenn man das erste Buch mit meinem jetzigen Stil vergleicht, gibt es schon Ähnlichkeiten. Aber die ersten Zeichnungen verfertigte ich ziemlich rasch, fast gedankenlos. Wenn man aber so wie ich mehr als 1000 komische Situationen gezeichnet hat, dann ändert sich schon vieles im Laufe der Zeit.  Das letzte Buch habe ich mit dem Bleistift vorgezeichnet und dann später mit dem Stift nachgearbeitet. Der Grundgedanke ist aber immer gleich: das ist alles äußerst simpel und im wörtlichen Sinne vulgär.“

 

Viele Deiner Zeichnungen verärgern die Leute, stoßen sie regelrecht ab. Schon allein vom Titel her: „Fickt Euch“, „Tötet Euch“...

„Es ist trotzdem merkwürdig, dass manches eher als anderes tabuisiert wird. Über rassistische Sprüche regen sich viele Leute mehr auf als über Kindesmissbrauch. Vor kurzem schrieb ich einen Comic für Grapevine in Reykjavík und benutzte das Wort „Nigger“. Der Witz war, dass amerikanische Gangster Besucher des isländischen Airwaves-Festivals drangsalierten, was natürlich einfach nur absurd ist. In einem solchen Comicstrip müssen die Gangster natürlich „Nigger“ sagen, wenn sie von Schwarzen reden. Wegen dieses einen Worts bekam ich eine Menge Hassmails. Aber ich habe noch nie eine solche Mail bekommen, wenn ich was über Kindesmissbrauch mache.“

Dein neues Buch, zu dem man Dich nur beglückwünschen kann -  Popular Hits -,erscheint im Selbsverlag, Ókeibæ(!)kur. Was ist als nächstes geplant?

„Ich ordne das Material, das ich für das isländische Telefonverzeichnis 2008 und 2009 gemacht habe. Das kommt von allem, was ich bisher gemacht habe, einem Kinderbuch am nächsten. Ich habe außerdem ein Stipendium bekommen, um eine Serie über das Weltende zu machen. Darin wird die Welt in jedem Buch auf eine andere Art und Weise untergehen. Ich lese gerade die Offenbarung des Johannes, um mich in Stimmung zu bringen. Die Welt geht in der Bibel auf eine wirklich merkwürdige Weise unter.“

 

Wie denn?

„Da ist einfach so ein riesiges Durcheinander, das ist schon bitter. Aber bei mir werden das mindestens drei Bücher, drei verschiedene Weltuntergänge. Unter dem mach ich das nicht.“


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