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Ein Pionier isländischer Fantasy-Literatur  

30.12.2010

Emil - FréttFür seine ersten beiden Gedichtbände erntete er viel Lob bei Lesern und Kritikern. Als er  dann im Jahr 2008 vom Isländischen Literaturfonds mit dem ,Förderpreis für neue Literatur' ausgezeichnet wurde, begann er, Fantasy-Romane zu schreiben. Damit wurde der  und wurde der 26jährige ein Pionier auf dem Gebiet der isländischen Fantasy-Literatur. Das erste Buch seiner Trilogie Saga eftirlifenda (etwa: Die Geschichte der Überlebenden) erschien unter dem Titel Höður og Baldur (etwa: Höður und Baldur) beim Autorenverlag Nykur. Emil studiert zur Zeit Literaturwissenschaften im schwedischen Lund.

Die Geschichte der Überlebenden ist ein Fantasy-Thriller über die Götter Höður und Baldur, den Blinden und den Weißen, und spielt 7010 Jahre nach der nordischen Götterdämmerung Ragnarök in einer Parallelwelt. Die beiden ungleichen Brüder sind jeder für sich auf der Suche nach Mitteln, um ihre Jugend wieder zu erlangen. Böse Mächte sind an die Macht gekommen und werden von einem der sogenannten ‘Überlebenden' kontrolliert. Wenn niemand eingreift, steht der Untergang der Menschheit kurz bevor.

Emil bedient sich in seinem Roman an Versatzstücken aus der nordischen, griechischen und persischen Mythologie und entwirft einen monumentalen Fantasy-Thriller. Kulturjournalist Bjarni Ólafsson von der Tageszeitung Morgunblaðið bezeichnete den Roman als „mitreißende isländische Fantasy“ und Literaturkritiker Illugi Jökulsson meinte in der Literatursendung Kiljan: „Emil erschafft eine überzeugende Welt und hat einen kurzweiligen Erzählstil.“

Sagenhaftes Island sprach mit dem Autor über sein Buch:

Isländische Fantasy-Literatur, die auch noch auf Island spielt, gab es bisher nicht. Wie kamst du dazu nach zwei Gedichtbänden, dich an diesem Genre zu versuchen?

SagaEftirlifenda_kapaBevor ich die Idee für Die Geschichte der Überlebenden hatte, lagen bereits mehrere Versuche hinter mir, einen Roman zu schreiben, wobei ich unweigerlich probierte, den Text so zu gestalten, wie ich es aus der isländischen Literatur gewohnt war. Heute weiß ich, warum ich immer so schnell aufgegeben habe: Es passte einfach nicht zu mir. Aber ich möchte auch in Zukunft nichts ausschließen, weshalb ich sehr offen für alle Literaturgattungen bin.

Meine Gedichtbände sind nicht direkt fantastisch, enthalten jedoch eine Vielzahl von Anspielungen und neuen Zugängen zu Mythen und ähnlichen Fantasy-Phänomenen. Ich bin anscheinend von diesen Themen fasziniert. Aber bezüglich des Romans: Ich wollte etwas Komplexes schreiben, das gleichzeitig unterhaltsam und interessant ist. Ich wollte eine gute Geschichte erzählen und gleichzeitig etwas zu sagen haben. Ich wollte die Leser bewegen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen. Außerdem sollte das Lesen spannend und lehrreich sein. Fantasy wurde mein Sprachrohr. Niemand hatte zuvor isländische Fantasy geschrieben.

Der Sprung ins kalte Wasser hat mich viel Nerven gekostet. Aber jetzt hat der Roman viel Lob von Kritikern und Lesern bekommen. Ich bin sehr dankbar. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn die Leser vom Buch begeistert sind. Ich schrieb eine Geschichte, die ich selbst lesen wollen würde, und es ist großartig, wenn auch andere ihre Freude daran haben.

 
Bist du selbst ein Verehrer von fantastischer Literatur? Hast du soetwas wie literarische Vorbilder?

Selbstverständlich. Ich glaube ich habe nie ein Geheimnis aus meiner Verehrung für Neil Gaiman gemacht. Er ist für mich einer der größten Erzähler der Gegenwart. Aber ich bin ebenso begeistert von China Miéville und Susanna Clarke. Ich habe viel sogenannte „urban-fantasy“ gelesen. Meine Geschichte kann ruhig als solche verstanden werden. Das Genre „New Weird“ finde ich ebenso sehr interessant.

Das Problem ist, dass der ausländische Markt für Fantasy, Science Fiction und andere Genres der Phantastik einfach riesengroß ist. Da passiert unglaublich viel. Die Literatur teilt sich in zahlreiche Unterkategorien und die Autoren innerhalb dieser Kategorien sind genauso vielfältig und zahlreich, spielen mit Stil und Form, erfinden immer etwas Neues. Mit anderen Worten ist Fantasy-Literatur eine sehr fesselnde und interessante Welt. Auf Island gibt es noch keine Tradition für solche Literatur und das würde ich gern ändern. Anhand der Reaktionen auf Die Geschichte der Überlebenden sehe ich, dass das isländische Publikum sehr offen für Fantasy ist.

Ein Fantasy-Thriller, der eine negative Utopie ist und der auf drei Teile angelegt ist, ist ein recht großes Unternehmen und nicht gerade eine leichte Aufgabe für einen Newcomer im Literaturbusiness. Bekommst du nicht manchmal Zweifel, diesem Riesenprojekt gewachsen zu sein?

Es ist tatsächlich ein Riesenprojekt. Die Recherchearbeit ist enorm. Die Charaktere zu entwickeln, die Perspektive des Blinden Höður zu erarbeiten, die beiden Handlungsstränge zu verknüpfen, und dies letztendlich fehlerfrei und überzeugend zu tun, mit der Entwicklung und Schöpfung meiner eigenen Welt weiterzumachen, den Text gut und stilvoll zu schreiben – all das ist viel Arbeit.

Ich habe keine Angst, von diesem Projekt gefressen zu werden, weil es das bereits getan hat. Das Schreiben des ersten Buches war zeitweise sehr schwierig. Nicht nur, weil dies mein Debütroman werden sollte, sondern vor allem, weil es sehr viel Kraft kostete, an die Geschichte zu glauben und davon überzeugt zu sein, dass ich nicht nur meine Zeit und Kraft verschwenden würde.

Nun weiß ich, wohin mich die Geschichte führt. Ich habe Unmengen von Material, das ich nur noch in eine spannende Geschichte verpacken muss. Als der erste Roman herauskam, fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Ich flog zurück nach Schweden, wusste mit mir nur wenig anzufangen und hatte keine Lust, die Literaturtheorien für die Uni zu lesen. Schließlich öffnete ich das Schreibprogramm auf meinem Computer und erstellte ein neues Dokument: „Die Geschichte der Überlebenden – Zweites Buch – Erstes Kapitel“. Wieder anfangen zu schreiben, obwohl die Pause nicht sehr lang war, und wieder in die Welt eintauchen und die Geschichte weiterentwickeln, war milde gesagt einzigartig. Mir wurde klar, dass das Schreiben meinen Alltag beisammen hielt und mir Kraft gab, alles andere zu tun. Ich hatte schon beim ersten Buch ein ähnliches Gefühl, aber dieses wurde so stark, dass ich wusste, dass es kein zurück geben würde; ich muss Geschichten erzählen.


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