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Klartext, bitte
Ævar Örn Jósepsson ist seit langem ein Favorit der Island-Krimi-Besessenen. Grade erschien sein fünfter Roman, betitelt Önnur líf (etwa: Andere Leben). Seit sein Debütroman Skítadjobb (etwa: Drecksarbeit
) im Jahre 2002 erschien, arbeitet Ævar mit dem gleichen Ermittlerteam als Hauptfiguren: den Kommissaren Stefán, Árni, Guðni and Katrín. Natürlich ist die Entwicklung eines Teams über acht Jahre ein interessanter Stoff, doch wann ist er ausgereizt?
“Ich weiß nicht, wie viele Romane man über die selben Menschen schreiben kann”, antwortet Ævar im Gespräch mit Sagenhaftes Island. “Ed McBain hat es geschafft, Dutzende von Büchern über Steve Carella und seine Gang zu schreiben. Zehn Bücher über eine Figur ist nichts Ungewöhnliches. Man muss aber doch erwähnen, dass meine Figuren Guðni und Stefán in die Jahre kommen. Anders als McBain ist es eine selbstgesetzte Regel von mir, dass meine Figuren mit mir altern.”
Was ist mit den Schauplätzen? All den wiedererkennbare
n Anleihen in der Realität, die für Ævars Geschichten typisch sind.
“Ich versuche eine Art von Realismus zu erzielen, der die Gesellschaft und die Zeit, in der ich lebe, reflektiert. Indem ich meine Geschichten in einer möglichst realistischen Umgebung spielen lasse, helfe ich den Lesern, in die Texte einzutauchen. Ich sehe keinen Sinn darin, z.B. Cafés und Zeitungen zu erfinden, wenn die, die es tatsächlich gibt, es doch auch tun.”
Verbrechen sind ein deutlich wahrnehmbares Phänomen in der isländischen Gesellschaft geworden und Ævar Örn sagt, er habe keine Probleme, in seiner Umgebung Inspiration zu finden.
“Wenn ich irgendwo hinkomme, an einen Ort, an dem ich zuvor noch nicht war, schaue ich ihn mir an und frage mich, ob er Schauplatz für ein schäbiges Verbrechen sein könnte. Eine Höhle wird ein Versteck für eine Leiche und eine aufgelassene Fabrik wird zum Schauplatz eines Verbrechens.”
Ævars Realismus umfasst mehr als seine Charaktere und Schauplätze. Sein Stil und seine Sprache sind nah an der Alltagssprache, was ihm ein besonderes Anliegen ist.
“Autoren und Verleger haben oft eine Art von Sprache gewollt, die in Krimis eigentlich nichts zu suchen hat. Eine Sprache, die Krimis eigentlich ruiniert. Eine mehr geschriebene denn gesprochene Sprache, die nicht zu Geschichten über Gewalt und schäbige Verbrechen passt. Eine solche Sprache lässt Verbrechen unecht erscheinen. Sobald man das bemerkt hat und beginnt, Klartext zu schreiben, wird es automatisch besser.”
