Tanz
Mythologische Kreaturen in den Gewässern der Blauen Lagune[i], ein Fußballspiel als Tanz aufgeführt[ii], die Philosophie der Open Source, der frei zugänglichen Software, in eine Performance übersetzt[iii] - die isländische Tanzszene ist geprägt von der Verbindung von Energie, Innovation und Kreativität. Die Tänzer, Tanzgruppen und Choreographen haben seit vielen Jahren großen Erfolg auf den internationalen Bühnen.
Mit den “vikivaki”- Tänzen des Mittelalters begann der Einfluss des Tanzes auf die isländische Gesellschaft.
Das klassische Ballett wurde erst sehr spät in Island gepflegt – von in Europa und den USA ausgebildeten Mitgliedern von FÍLD, der 1947 gegründeten Icelandic Association of Professional Dancers.
Erst 1952 wurde die erste staatliche Tanzschule in Island gegründet und 21 Jahre mussten vergehen bis am Nationaltheater die erste (und bis heute einzige professionelle) isländische Tanzgruppe, die Iceland Dance Company (ID) gegründet wurde.
Die ID erlangte 1992 den Status einer selbstständigen öffentlichen Kulturinstitution.
Trotz der späten Anfänge erlebte das Ballett in Island einen schnellen Aufschwung und brachte mit Helgi Tómasson (geb. 1942) eine der herausragenden Tänzerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts hervor. Er war 15 Jahre lang Haupttänzer der New York Ballet Company, sowie Choreograph und künstlerischer Leiter der San Francisco Ballet Company.
Unter der künstlerischen Leitung von Katrin Hall vollzog die Iceland Dance Company 1996 einen konsequenten Wandel vom klassischen Ballett hin zum zeitgenössischen Tanz.
Im Reykjaviker Stadttheater und bei zahlreichen Gastspielen auf der ganzen Welt hat die ID ein großes Repertoire mit Werken von isländischen und internationalen Choreographen erarbeitet– oft auch in Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen Kunstgattungen und in Kooperation mit anderen Tanzensembles.
Der Erfolg von ID war zudem ein Katalysator für die Entwicklung der gesamten isländischen Tanzszene, und hat zur Entstehung zahlreicher freier Tanzgruppen geführt, die ihre Arbeiten regelmäßig rund um Island aufführen.
2002 fand in Reykjavik das erste Tanzfestival statt, das den freien Tanzgruppen seitdem eine vielbeachtete öffentliche Plattform bietet. Zudem ist Tanz ein fester Programmpunkt des alljährlichen Kunstfestivals Reykjavik.
Mit Blick auf die heutige Tanzszene läßt sich sagen: Während die traditionellen „vikivaki“ mit ihrer sinnverwirrenden Mixtur aus Kostümen, Elementen des Theaters und des Festes unter der dänischer Regierung verboten war und in Vergessenheit geriet, wurde die Substanz dieser Tänze – die wilde, energetische und für Island typische Individualität – von zeitgenössischen isländischen Tänzern und Choreographen wieder entdeckt.
Persönlichkeiten und Projekte
Erna Ómarsdóttir gilt als eines der außerordentlichen Talente der europäischen Tanzszene. Ihre jüngsten Projekte sind The Talking Tree und Transaquania, eine Zusammenarbeit mit dem Belgier Demein Jalet, der bildenden Künstlerin Gabriela Fridriksdottir und ID. Das Stück wird in der einzigartigen Atmosphäre der Blaue Lagune aufgeführt. Erna Ómarsdóttirs Arbeiten bestechen durch Kraft und Charakter, vereinen Stimme, Bewegung und Energie mit den dunklen Seiten der Erkenntnis.
Innerhalb kürzester Zeit hat das freie Ensemble Panic Productions, gegründet von Sveinbjörg Þorhallsdóttir und Margret Sara Guðjonsdóttir, mehrere Stücke für isländische und internationale Theater produziert. 2010 wird Biege on Blond zur Aufführung kommen, ein Stück, das in Zusammenarbeit mit dem Photographen Tom Akinleminu mittels Photographie, DVD und Buch dokumentiert wird.
Die Tänzerin Helena Jónsdóttir, die auch als Choreographin und Filmemacherin arbeitet, genießt eine große Reputation in Skandinavien, Großbritannien und in den USA für ihre Bühnenarbeiten, Videos und Fernsehfilme. 2003 hatte sie die Idee zu einem Stück mit dem Titel Open Source, das die Sprache und Kultur des jeweiligen Landes, in dem das Stück aufgeführt wird, adaptiert und reflektiert. 2005 wurde Open Source in Zusammenarbeit mit ID ausgearbeitet.
[i] Transaquania, erdacht von Erna Ómarsdóttir, Gabriela Friðriksdóttir, Damien Jalet, aufgeführt von ID und Erna Ómarsdóttir, April 2009.
[ii] The Match, choreographiert von Lonneke Van Leth, aufgeführt von ID, Premiere Oktober 2003.
[iii] Open Source, choreographiert von Helena Jónsdóttir, aufgeführt von ID, Premiere: Februar 2005.
