Pressemappe

Fotografie

Die isländische Fotografie weist ein breites Spektrum auf. Dieses reicht u.a. von Magnús Ólafsson (1862–1937) – der die Lebensbedingungen eines von technologischem Fortschritt, sozialen Veränderungen und urbanen Entwicklungen geprägten Islands beleuchtete – über die Porträtfotografin Sigriður Zoëga (1889-1968), die für ihre Landschaftsaufnahmen berühmt gewordenen Vigfús Sigurgeirsson (1900-1984) bis hin zu dem seit Jahren als Fotojournalist für das Morgunblaðið, National Geographic, Time, Life, Stern und Le Figaro tätigen und mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Fotografen Ragnar Axelsson (Jg.1958, bekannt unter dem Pseudonym RAX) und dem mit seiner künstlerisch-dokumentarischen Fotografie in der Tradition der amerikanischen New Topographics stehenden Fotografen Guðmundur Ingólfsson (Jg.1946). Zahlreiche isländische Fotografen haben sich mit Landschaftsaufnahmen und Buchveröffentlichungen befasst, so auch Páll Stefánsson, Sigurgeir Sigurjónsson und Guðmundur Páll Ólafsson. Haraldur Jónsson (Jg.1961), Hrafnkell Sigurðsson (Jg.1963),  Bjargey Ólafsdóttir (Jg.1972), Katrín Elvarsdóttir (Jg.1964) und mit fotografischen Werkgruppen auch die Künstlerinnengruppe Icelandic Love Corporation, Rúrí (Jg.1951) und Gabríela Friðriksdóttir (Jg.1971) vertreten dabei eindeutig künstlerische Positionen. Früher hatten Mitglieder der Künstlergruppe SÚM Aufsehen erregt, vor allem Sigurður Guðmundsson (Jg.1942).

 

Ausstellungstipp:

Fotografie Forum Frankfurt zu Gast im Frankfurter Kunstverein

Grenzen anderer Natur. Zeitgenössische Fotokunst aus Island


KünstlerInnen: Bára Kristinsdóttir / Einar Falur Ingólfsson / Haraldur Jónsson / Hrafnkell Sigurðsson / Icelandic Love Corporation / Ingvar Högni Ragnarsson / Katrín Elvarsdóttir / Pétur Thomsen  und Spessi


19. August – 16. Oktober 2011


Pressekonferenz und Eröffnung: 18. August

Isländische Künstler wandern. Sie studieren im Ausland – schließlich ist man dank Islands strategischer Lage zwischen Nordamerika und Europa mit dem Flugzeug sehr viel schneller in Paris oder New York als mit dem Auto in Akureyri, der zweitgrößten Stadt des Landes. Aber oft genug kehren sie auch wieder zurück und treten in einen visuellen Dialog mit der „erschaffenen Natur“ – natura naturata –, dem Wachstum der Städte und der Industrie in ihrem Heimatland ein. Die extreme Landschaft mit ihren Lavawüsten, Wasserfällen, Tälern, Gletschern, klimatischer und geologischer Aktivität bietet Reise-, Natur- und Wissenschaftsfotografen ständig neue Motive. Diese Bilder haben in zahllosen Veröffentlichungen und Internetseiten Staunen erregt und die Forschung beflügelt. Selbst ein Bauernhof neben dem Eyjafjallajökull stellt Updates von den Veränderungen der Landschaft nach dem Ausbruch des Vulkans 2010 ins Netz. Grenzen anderer Natur nähert sich diesem Thema aus einer anderen Perspektive als der der klassischen Landschaftsdarstellung.

Die zeitgenössische Kunstszene Islands nutzt seit den 1970er Jahren das Medium der Fotografie. Auch wenn Sigurður Guðmundsson nicht für immer heimgekehrt ist, so wurzeln seine „visuelle Dichtung“ und seine Performances doch im Boden seiner Heimat. Sein wichtiges Werk Mountain von 1980-82, ein Schwarzweißfoto, zeigt ihn inmitten von Schichten aus Brot, Schuhen und Büchern. Die Künstlerin Rúrí ist in den letzten 12 Jahren zu einer Art Wasserprinzessin geworden, die ihr Archive of Endangered Waters in Installationen, Fotos und akustischen Arbeiten auf internationalen Ausstellungen vorstellt. Olafur Eliassons The Landscape Series von 1997 zeigt exemplarisch die kontemplative Kraft und Stärke, die er aus der Natur bezieht. Isländische Künstler arbeiten medienübergreifend; sie verbinden z.B. Plastik, Lichtinstallation, Fotos und Klang und entwickeln ihre kritische Ästhetik durch eine Kombination aus konzeptueller und dokumentarischer Praxis.

Grenzen anderer Natur versammelt eine einzigartige Auswahl bekannter und noch wenig bekannter isländischer Foto- und Medienkünstler und -künstlerinnen, die mit klassischer Fotografie genauso arbeiten wie mit Videoinstallationen. All diese Arbeiten beziehen sich immer wieder auf die Landschaft und die Umwelt. Die meisten sind in Deutschland noch wenig bekannt, und fast alle Werke werden hier zum ersten Mal gezeigt.

„Grenzen anderer Natur“ zeigt, wie unentbehrlich die Kunst der Fotografie bei der Erforschung der individuellen Herkunft der Isländer ist. Je nachdem, wie diese aussieht, ergibt sich eine vielschichtige, aber immer unstrittige Beziehung der Isländer zu ihrer natürlichen Umwelt. Die Ausstellung führt die Betrachter in mehrdeutige Landschaften, in denen die Fotografen selbst visuelle Erzählungen erkunden und konstruieren. Hierbei wird die Landschaft – ihre Weite, Erhabenheit, aber auch die Zerstörung der Natur – zur Metapher für Begehren, Entfremdung, Ehrfurcht erregende Größe, Tradition, Ironie und Rebellion oder Leistung und Verlust.

Kuratorinnen: 

Celina Lunsford, künstlerische Leiterin des Fotografie Forum Frankfurt, und Christiane Stahl, Leiterin der Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin, in Zusammenarbeit mit Inga Lára Baldvinsdóttir, Kuratorin für Fotografie des Isländischen Nationalmuseums, und María Karen Sigurðardóttir, Leiterin des Museum für Fotografie, Reykjavík.

Die Ausstellung ist Teil des Kunst- und Kulturprogramms „Sagenhaftes Island - Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2011". Direktor: Halldór Guðmundsson, Kurator für das Kunst- und Kulturprogramm: Matthias Wagner K

 


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