Pressemappe

Kunst & Kultur in Island

Kunst als Spiegel für gesellschaftliche Entwicklungen, Fragestellungen und Experimente

Island und mithin die gesamte Welt sind, nicht nur derzeit, einem Wandel unterworfen. 
In Verbindung mit diesem Wandel ändert sich auch der durch die Künste definierte Kunstbegriff ständig und passt sich neuen gesellschaftlichen, technischen und geistesgeschichtlichen Gegebenheiten an. Was im Umkehrschluss nichts anderes bedeutet, als dass uns die Kunst einen Spiegel der gesellschaftlichen Phänomene und Entwicklungen, Fragestellungen und Experimente vorhält. Zeige mir die Werke deiner Künstler und ich sage dir in was für einem Land du lebst, wäre sicherlich eine recht simple Abwandlung einer alten Volksweisheit, indes entbehrt diese Kausalität nicht der Wahrheit und berührt darüber hinaus eine nicht zu unterschätzende Wirkung von Kunst - jene, die darin besteht, unser Bewusstsein für die Konstruiertheit unserer symbolisch repräsentierten Wirklichkeit zu schärfen. Hier erweist sich die Kunst, metaphorisch gesprochen, als Schwester der Landeskunde im Sinne politischer, sozialer, ethnografischer, historischer und ökonomischer Betrachtung, leistet sie doch durch erlebbare Veranschaulichung all dessen, was durch begriffliche Analyse versucht.

Spricht man also über Kunst, so sollte man im Auge haben, dass es meist weniger um Seelenqual und Berufung geht, als vielmehr um die Reflektion dessen, was als tagtägliche Erfahrungswelt, betrachtet und angesichts dieser empfunden und gedacht wird. Fragen nach dem Zustand eines Landes in technologischer wie politischer, soziologischer wie ökologischer Sicht, nach dem Umgang mit Traditionen und Geschichte, beantworten sich daher oft weitaus eindrücklicher in den Werken der Bildenden KünstlerInnen, MusikerInnen, Theater- und Filmschaffenden, ArchitektInnen, DesignerInnen und AutorInnen, als in den Analysen in- wie ausländischer  Magazine, Tages- und Wochenzeitungen.

Charakteristisch, und das zeichnet die isländische Kunstszene aus und macht sie im internationalen Vergleich so besonders, sind spartenübergreifende Tätigkeit und Zusammenarbeit, also die Affinität zum Interdisziplinären. Musiker und gleichzeitig Fotograf, Autor und gleichzeitig Bildender Künstler, Filmemacher und gleichzeitig Musiker, Videokünstler und Lyriker – die konzeptionelle und biografische, persönliche Auseinandersetzung und Offenheit ist so verbreitet, dass damit in Island auch eine ganz eigene Definition von Kunst geformt wurde: Kunst als uneingeschränkte, die Sparten ignorierende, universelle Ausdrucksform eines vorherrschenden Lebensgefühls.