Buch des Monats

Der Homer des Nordens

Erste vollständige Biographie

Snorri-175x260Kein anderer Isländer hat die Kulturgeschichte Nordeuropas so stark beeinflusst wie Snorri Sturluson. Sein literarisches Werk ist eine der Wurzeln der skandinavischen Kultur, seine Schriften sind zudem von herausragender Bedeutung für das Verständnis der mittelalterlichen Kultur Skandinaviens.

Snorri Ruhm basiert vor allem auf der Snorri-Edda, einem Lehrbuch für Dichter, in der unter anderem die nordische Mythologie dargestellt wird. Das Buch ist somit eine der wichtigsten Quellen über das heidnische Weltbild Skandinaviens. Snorri war nicht nur Schriftsteller und Chronist, sondern auch einer der mächtigsten Männer Islands im 13. Jahrhundert.

Der Historiker Óskar Guðmundsson - der als Journalist und Redakteur gearbeitet bei verschiedenen Zeitungen gearbeitet hat, bevor er nach einem Mediävistik-Studium (das ihn u.a. nach Deutschland führte) einige bedeutende Bücher über die Geschichte Islands von der Zeit der Landnahme bis zum 15. Jahrhundert veröffentlichte -  schrieb sein Buch an dem Ort, an dem man Snorri heute noch am nächsten sein kann: in Reykholt, Snorris ehemaligem Wohnsitz im Borgarfjörður. Dort ist heute auch das Snorri-Forschungsinstitut ansässig.


Ruhm und Ehre als dichtender Lehnsmann

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Óskar Guðmundsson beschreibt Snorris Leben von der Kindheit bis zu seinem Tod – vom Jahr 1181, als er als Pflegekind in Oddi aufgenommen genommen und unterrichtet wurde, bis 1241, dem Jahr seiner Ermordung.

Die Ausbildung, die Snorri in Oddi genoss, war – auf der katholischen Weltkultur des Mittelalters fußend – von so hoher Qualität, dass Snorri in späteren Jahren hohes Ansehen beim norwegischen König erlangen und kirchliche und weltliche Ämter vereinen konnte. Snorri wurde Dichter am Hofe und später zum „Lehnsmann“ ernannt, was dem höchsten Rang unter den dem König nahestehenden Personen entsprach. Mit seiner Poesie erlangte er, genau wie viele Isländer vor ihm, Ruhm und Ehre im Ausland. Dabei ist zu bedenken, dass zu Snorris Lebzeiten mit dem Altnordischen noch eine gemeinsame Sprache in Nordeuropa als verbindendes Element zwischen Island und dem europäischen Festland existierte.




Die gewaltreichste Zeitspanne der isländischen Geschichte

Óskar Guðmundsson zeichnet ein facettenreiches Bild der Person Snorris, seines dramatischen Familienlebens, die Beziehungen zu seiner Ehefrau, seinen Geliebten und seinen Kindern. Daraus entwickelt sich eine authentische Darstellung des Lebens im mittelalterlichen Island. Die Zeit, in der Snorri zum reichsten und einflussreichsten Mann des Landes aufstieg, war geprägt von kämpferischen Auseinandersetzungen. Sie wird in der isländischen Geschichtsschreibung als Sturlungen-Zeitalter bezeichnet (ca. 1220-1264) und gilt als die gewaltreichste, da Bürgerkriege und Fehden das Leben bestimmten. Óskar Guðmundsson erklärt in diesem Kontext, unter welchen Umständen Island Teil der norwegischen Krone wurde und welche Rolle Snorri dabei spielte.

Snorri war in einer Zeit, in der Fehde-Morde an der Tagesordnung waren, ein bemerkenswerter Diplomat. Manche Zeitgenossen verspotteten ihn deshalb als Feigling. Erstaunlicher Weise gelang es ihm ohne selbst jemals zu den Waffen zu greifen, seine Macht zu vergrößern und zum reichsten Mann Islands aufzusteigen.

Für seine Biographie hat Óskar Guðmundsson die neusten Forschungsergebnisse aus Archäologie und Naturwissenschaft genutzt, aus der Literaturwissenschaft, sowie die Erkenntnissen des Projektes zur Mittelalterforschung Reykholtsverkefni, welches die Forschungsbereiche Archäologie, Natur-, Literatur-, und Geschichtswissenschaft vereint.

Kritiker lobten das Buch, das eines der meistgelesenen Bücher des Jahres 2009 in Island war.

Páll Baldvin Baldvinsson, Kritiker der Tageszeitung Fréttablaðið, nannte das Werk „eine große Errungenschaft für die Mittelalterforschung“: „Óskar kann stolz auf seine Leistung sein [...] seine Erklärungen der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen sind auch für Laien zugänglich, er bringt Licht in die komplizierten Verbindungen.“

Einar Falur Ingólfsson von der Tageszeitung Morgunblaðið schreib: „[Óskar hatte] sich vorgenommen ein Buch zu schreiben, das gleichermaßen lesbar wie wissenschaftlich fundiert ist. Dies ist ihm gelungen. Man kann nicht anders, als sich für die Erzählung zu begeistern [...]. Óskar verleiht der Geschichte Leben und Farbe mit der Inszenierung und Erläuterung der damaligen Lebensverhältnisse.“


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