AutorIn des Monats

Álfrún Gunnlaugsdóttir

AlfrunÁlfrún Gunnlaugsdóttir ist eine Autorin, die sich in der öffentlichen literarischen Diskussion in Island im Hintergrund hält. Nichts desto trotz hat sie sich einen Platz unter den besten AutorInnen des Landes gesichert und bei Kritik und Literaturpreiskomitees gleichermaßen Lob und Anerkennung geerntet. Álfrún Gunnlaugsdóttir begann ihre schriftstellerische Karriere erst spät, als sie 1982 ihr erstes Werk, die Kurzgeschichtensammlung Af manna völdum (eine deutsche Übersetzung könnte Von Menschen Hand lauten), veröffentlichte. Bis dahin hatte sie sich vor allem als Wissenschaftlerin einen Namen gemacht, die nach umfangreichem Studium u.a. in der Schweiz und in Spanien an der Universität Island den Studiengang der Allgemeinen Literaturwissenschaft aufgebaut hat.

Die Werke von Álfrún Gunnlaugsdóttir gelten als experimentell, und es ist schwer, ihren Stil einer bestimmten Richtung zuzuordnen. In ihren Texten arbeitet sie mit der Verbindung von Erinnerung und Erzählung; thematisiert wie Erinnerung sich, ähnlich der Menschheitsgeschichte, schwer der Kontrolle und Organisation unterwerfen lässt. Sowohl in ihren Romanen als auch in den Kurzgeschichten bedient sich Álfrún Gunnlaugsdóttir oft der Form der Erinnerungsromane, bei dem die Erzähler zurückblicken, Lücken füllen und versuchen, Erinnerungsbruchstücke so aneinander zu reihen, dass ein ganzheitliches Bild oder eine Erzählung entsteht.

Álfrún Gunnlaugsdóttir wuchs während des Zweiten Weltkrieges auf, als Reykjavik voll von ausländischen Soldaten war. Die politische Auseinandersetzung, Krieg und die Verantwortung des Menschen sich selbst und anderen gegenüber sind wiederkehrende Motive in ihren Texten. In ihnen klingt ein autobiographischer Ton an, mittels dessen die Angst dargestellt wird, die die Bewohner der Insel am Rande der Welt ergriff, als dort plötzlich bewaffnete Vertreter der Gewalt und des Kampfes aus fernen Ländern auftauchten. Álfrún Gunnlaugsdóttir hielt sich in Spanien auf, als der Faschismus die spanische Gesellschaft durchsetzte, und weiß aus eigenem Erlebten, welche Auswirkungen eine Atmosphäre der Gewalt und Unterdrückung auf den Menschen hat.

Die erzählerische Welt von Álfrún Gunnlaugsdóttir umspannt ein weites Feld, ihre Geschichten sind nicht nur an Island gebunden sondern bewegen sich frei zwischen verschiedenen Erdteilen und Wendepunkten der Weltgeschichte. Sie gilt als eine Autorin, die mit fundierter Kenntnis die verschiedenen literarischen Formen beherrscht. Ihre Werke sind nie "mundgerecht" für den Leser aufbereitet, sondern zwingen ihn, die Verstrickungen der Erzählung, die zwischen Perspektiven, Gegenwart und Vergangenheit vor und zurück springt, zu entwirren.

Álfrún Gunnlaugsdóttir erhielt 1985 für ihren Roman Þel (eine deutsche Übersetzung könnte Wohl lauten), den Literaturpreis der Tageszeitung DV. Sie wurde dreimal für den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert, für Hringsól (eine deutsche Übersetzung könnte Verwunderung lauten) erschienen 1987,  Hvatt að rúnum, erschienen 1993 (die deutsche Übersetzung von Andreas Vollmer erschienen unter dem Titel Im Vertrauen 2003 bei Steidl Verlag) und Yfir Ebrofljótið, erschienen 2001 (eine deutsche Übersetzung könnte Jenseits des Ebro lauten). Ihr neuestes Werk, Rán, 2008, wurde im Erscheinungsjahr für den Isländischen Literaturpreis nominiert und erhielt den Kulturpreis der Tageszeitung DV und den Fjöruverðlaun Frauenpreis 2009.


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